Lockheed C-121C / 1:144 / Revell 4269

C-121C Revell Boxart

Die militärische Version der besten Lockheed Super Constellation in allen Maßstäben. Leider hat Revell keine neuen Rumpfhälften beigelegt. Stattdessen muß der Modellbauer Einiges verspachteln. Der Decalbogen ist wie bei fast allen neueren Revell-Kits Spitze.

 Geschichte

Lockheed hatte in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts die zweimotorigen  Verkehrsflugzeuge Electra, Super Electra und Lodestar gebaut. Die Nachfrage nach größeren Flugzeugen mit transatlantischer Reichweite führte bei den großen US-Herstellern zur Entwicklung von viermotorigen Flugzeugen: Boeing Stratoliner, Douglas DC4 und Lockheed Constellation. Vor allem Howard Hughes, damals Hauptaktionär von TWA, war von dem eleganten Lockheed Flugzeug begeistert, das die Tragflächengeometrie des P-38 Jagdflugzeugs nutzte und von Anfang mit einer Druckkabine geplant wurde. Aber auch Juan Trippe von Pan Am bestellte den neuen Airliner, der 44 Passagieren Platz bieten sollte. Der geschwungene Rumpf und das charakteristische Dreifach-Leitwerk wurden zum Markenzeichen der Constellation-Serie.

Der Erstflug der Constellation  im Kriegsjahr 1943 führte allerdings dazu, dass nicht die Airlines, sondern die USAAF die ersten Exemplare des neuen Typs als C-69 erhielt. Erst 1945, als der Sieg der Alliierten sicher  und das Kriegsende absehbar waren, konnten auch die Fluggesellschaften diesen Typ einsetzen. Im  Februar 1946 flog die erste Pan Am Constellation von New York nach Bermuda und im gleichen Monat nahm TWA mit diesem Typ den Liniendienst nach Europa auf. Bis 1950 veränderte Lockheed hauptsächlich Motoren und Details an dem Basisentwurf. Um die Frachtkapatität zu erhöhen konnte ein Behälter, der sogenannte „Speed Pack“, für bis zu 2000 kg zusätzliche Nutzlast unter dem Rumpf befestigt werden.

Da die Airlines noch größere Verkehrsflugzeuge einsetzen wollten und wegen der Konkurrenz der größeren Douglas DC-6, verlängerte Lockheed die L 749 um 5,60 m zur 34,60m langen L 1049 Super Constellation. Die ovalen Fenster wurden durch viereckige ersetzt, allerdings war die neue Version etwas untermotorisiert.

Durch den Einbau von Turbo Compound  Motoren konnte die Leistung des Flugzeuges nochmals gesteigert werden. Außerdem erhielt diese als 1049G bezeichnete Variante Tiptanks mit je 2270 l Inhalt an den Tragflächenenden, die die Reichweite nochmals steigerten. Eine Fracht- oder Mix-Version wurde mit 1049 H bezeichnet. Höhepunkt der Entwicklung der Propellerairliner stellte neben der DC- 7 die Lockheed L 1649 Super Star oder Starliner dar, die den nochmals um 0,7m verlängerten  Rumpf der Super Constellation mit einer gänzlich neuen Tragfläche verband. Jetzt waren tatsächlich komfortable Interkontinental-Flüge möglich. Aber die ersten Jets, Boeing 707, DC 8 und De Havilland Comet IV, die ab 1958 zur Verfügung standen, setzten der Ära der großen Propellerflugzeuge ein rasches Ende.

Wie die Vorgänger, kaufte das Pentagon auch die Super Constellation. Vor allem interessierte sich die US Navy für die verlängerte Constellation und bestellte 50 Super Constellation unter der Bezeichnung R-7V-1. Allerdings erhielt diese Version wenige runde Rumpffenster. Die Navy war auch Pionier auf dem Gebiet der Luftüberwachung (AEW). Auf Basis der Super Constellation entstand das Radarüberwachungsflugzeug WV-2, das an seinen großen Antennenbehältern über und unter dem Rumpf zu erkennen war. Die US Air Force verließ sich lieber auf die verlässlicheren und robusteren Douglas C-54 und C-118, später noch die C-124 GlobemasterII sowie Boeing C-97. Trotzdem orderte das Pentagon 1951 33 Super Constellations als C-121C für den MATS (Military Air Transport Service). Diese Flugzeuge konnten 75 Soldaten oder 47 Tragbahren befördern. Sie hatten wie die zivilen Super Constellation rechteckige Rumpffenster. Allerdings erhielt die USAF auch 32 R-7V-1 mit runden Fenstern, die eigentlich für die Navy vorgesehen waren. Bei der Air Force wurden sie dann als C-121G bezeichnet. Außerdem flogen auch Navy R-7V für das MATS und erhielten einen entsprechenden Anstrich, behielten aber die US Navy –Beschriftung. Außer Truppenverlegungen zählte der Transport von Fracht für die Einheiten in Übersee und die Botschaften, sowie humanitäre Einsätze zu ihren Aufgaben. Präsident Eisenhower nutzte mehrere Constellations als Reiseflugzeuge. Erst die Columbine III war eine Super Constellation. Sie diente 6 Jahre als Präsidenten-Flugzeug VC-121 E. 1961 wurden sie von der VC-137, einer Version der Boeing 707, abgelöst. Neben den reinen Transportern gab es mehrere Spezialversionen. Die Frühwarnversion der USAF RC-121C (ab 1962 EC-121 C) „Warning Star“ ging 1953 beim Air Defence Command in Dienst und sollten die Radarposten am Boden ergänzen. Während des Vietnamkriegs flogen speziell ausgerüstete EC-121 K und P im Rahmen des „Igloo White“ Programms. Entscheidend war die Fähigkeit der Super Constellation mit Tiptanks 20 Stunden in der Luft zu bleiben. Auch das Raumfahrtprogramm der USA wurde durch umgebaute Super Constellations unterstützt. Auch auf der Rhein Main Air Base waren C-121 häufig Gast, zuletzt anläßlich der Reforger Manöver im Sommer 1976.Die einzige flugfähige Super Constellation Europas, die „Breitling Conny“, ist eine C-121.

Modell

Der Revell Bausatz 4252 der zivilen Super Constellation von  2007 entsprach den Erwartungen, die man an einen modernen Airliner Kit stellt. Vom Deckelbild bis zum Decalbogen deklassierte Revell die Konkurrenz aus Korea. Bei der neuen C-121C Kit Nr.4269 handelt es sich um genau diesen Bausatz. Hier wird erste unsachliche Kritik laut: Militärische Super Constellations hätten doch runde Fenster. Googelt man die C-121, dann taucht immer wieder die sogenannte „MATS-Conny“ auf, eine flugfähig restaurierte C-121, die man lange auf Air Shows bewundern konnte und die 1998 eine Europa-Tour absolviert hatte, die inzwischen leider in Korea im Museum steht. Dies ist aber eine C-121A, die dem zivilen Modell 749 entspricht. Dann gibt es viele Fotos von R-7V in MATS Farben und von C-121G, die alle runde Kabinenfenster haben. Revells Modell soll aber eine C-121C darstellen und die hatten alle eckige Fenster!

So unterscheidet sich der militärische vom zivilen Super-Constellation-Bausatz lediglich durch die Farbe des Plastiks, die Decals und die Bauanleitung. Über weite Strecken ist es ein “Schüttelbausatz“, allerdings gibt es noch einige wenige Problemzonen.  Im Gegensatz zu Minicraft bietet Revell aber im Augenblick nur die Transport-, nicht die Frühwarnversion an.

Bereits beim Öffnen des Kartons springt die feine Detaillierung der Bauteile ins Auge. Er besteht aus 88 silbergrauen  Teilen, die an 4 Gußästen hängen und einem Klarsichtspritzling mit 8 Klarsichtteilen. In 27 Bauschritten wird der Zusammenbau des Modells anschaulich erklärt.

Die Fenster sind nicht nur geöffnet, sondern auch verglast, wobei die Klarsichtteile sich vorbildlich der Wölbung des Rumpfes anpassen. Leider stimmen die Fensterreihen der Militärversion nicht mit denen der zivilen Super Constellation überein. So müssen Fenster übermalt, andere neu angedeutet und Türen verspachtelt werden. Dazu liegen Decals bei. Neue für die C-121 optimierte Rumpfhälften wären natürlich besser gewesen. Es liegen 2 Bugteile bei: die kurze Nase ohne Wetterradar, wie von der LH benutzt und die Radarnase der TWA und anderer Connie-Betreiber.  Für die C-121 brauchen wir nur die lange Radarnase. Das Cockpit besteht aus Boden, Instrumentenbrett (mit Instrumenten-Decal) Steuersäulen und drei Sitzen für Pilot, Copilot und Flugingenieur. Üblicherweise gehörten noch Funker und Navigator zur  Langstreckenbesatzung einer Super Constellation, deren Arbeitsplätze sich im unverglasten hinteren Teil des Cockpits befinden.  Aber selbst die vorderen  3 Sitze sind später durch das  Modellcockpit kaum noch zu sehen. Wichtig ist genügend Ausgleichsgewicht im Bug unterzubringen, damit das Modell später auf dem Bugfahrwerk steht. Eine Problemstelle ist das mittlere Seitenleitwerk, das etwas dick geraten ist. Die Cockpitverglasung passt sich zwar im oberen Bereich gut an den Rumpf an, nach den Seiten entsteht ein störender Absatz. Hier muss nachgearbeitet werden.

Die Tragflächen kommen in drei Teilen, wobei die Klappen an den Oberseiten angegossen sind, was eine sehr scharfe Hinterkante ergibt. Bei den Modellen aus den Probespritzungen war die V-Stellung der Flächen ein Problem. Hier hat Revell wohl nachgebessert. Allerdings sollte man beim Anpassen an den Rumpf darauf achten, dass keine störenden Gussgrate stehen bleiben. Das Modell kann mit oder ohne Tiptanks gebaut werden. Die C-121C flogen ohne Tiptanks.

Höhen- und Seitenleitwerke sind jeweils einteilig. Die scheibenförmigen Seitenleitwerke werden mittels Schlitze auf die Höhenleitwerke geschoben. So entsteht schon ohne Klebstoff eine sehr stabile Verbindung und die Leitwerke werden optimal ausgerichtet. Allerdings musste bei einem meiner 3 Bausätze etwas Gussgrat entfernt werden.

Jeder der 4 Motoren besteht aus 7 Teilen. Insgesamt ist die bullige Form der Curtiss Wright Triebwerke sehr gut getroffen. Der jeweils erste Stern der Doppelsternmotoren ist vorhanden. Die zivilen L1049 G und H hatten hinter dem Propellerspinner so genannte „After Bodies“, die den Luftstrom auf die Zylinder lenken und den Luftwiderstand verringern sollten, ein Detail, das auch bei dem 1:72 Modell von Heller fehlt. Sie verdecken den Blick auf den größten Teil des Motors. Alle Super Constellation vor der G Serie und die militärischen Varianten haben keine After Bodies. Alle mir bekannten Fotos von C-121, auch die „Breitling Conni“, zeigen keine After Bodies, es könnte allerdings sein, daß es doch Ausnahmen von der Regel gab. Ich würde die Teile 20 einfach weglassen.  Den Auspuffrohren bekommt es gut, wenn man sie leicht aufbohrt. Natürlich passen die Motoren gut an die Tragflächen.

Das Fahrwerk ist fein detailliert und trotzdem stabil genug. Hervorheben möchte ich die realistischen Radfelgen. Während die Bugfahrwerksklappen erst zerschnitten werden müssen, hängen die Hauptfahrwerksklappen schon gebrauchsfertig getrennt am Gußast.

Wie bei Revell üblich sind alle Antennen dargestellt. Sie sind nicht an den Rumpf angespritzt, wo sie beim Fortgang der Montage- und Lackierarbeiten abbrechen könnten, sondern werden nachträglich angeklebt. Wegen der Bruchgefahr empfiehlt es sich, einige der kleinen Stäbe aus Draht oder Nadeln darzustellen und die Bausatzteile als Vorbild zu benutzen.

Natürlich liegt dem Bausatz wieder ein umfangreicher, sauber gedruckter Decalbogen bei.2 verschiedene Flugzeuge können markiert werden:

1.Eine C-121C des 1608th ATW MATS Atlantic Division, Charlston South Carolina vom Oktober 1955.

2. Die VC-121E „Columbine III“, das Flugzeug, das Präsident Eisenhower zur Verfügung stand. Unter seinem Nachfolger Kennedy löste eine VC-137, die militärische Version der Boeing 707 die Super Constellation ab. Sie steht heute im USAF Museum.

Leider fehlen auf dem ansonsten umfangreichen Bogen die schwarzen Enteiser der Flächen- und Leitwerksvorderkanten. So bleibt nur selber malen  oder den Zurüstsatz von Daco kaufen. Beide Flugzeuge sind Alu über Alles mit grauen Segmenten auf der Flächenunterseite. In den 60er Jahren waren die C-121 „airlinermäßig“ mit weißem Kabinendach und hellgrauem Unterrumpf gestrichen. Einige Spezialflugzeuge erhielten im Vietnamkrieg den üblichen Tarnanstrich aus zwei Grüntönen und Tan auf den Oberseiten, Hellgrau auf den Unterseiten.

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Fazit

Eine neue Version der besten Lockheed 1049G in allen Maßstäben. Die angesprochenen Kleinigkeiten trüben  meiner Meinung nach den Gesamteindruck nicht.  Leider hat Revell keine neuen Rumpfhälften beigelegt. Stattdessen muß der Modellbauer Einiges verspachteln.  Der Decalbogen ist wie bei fast allen neueren Revell-Kits Spitze. Empfohlen werden kann er Anfängern wie Experten.

 

 

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