Boeing 787 Dreamliner / 1:144 /Zvesda 7008 / Revell 42361

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Zvesdas Boeing 787 in 1:144 ist ein tolles Modell des Dreamliners. Nicht nur, daß das große Vorbild sehr gut wiedergegeben wird, die Teile passgenau und fein graviert sind, bei den Triebwerken ist Zvesda neue Wege gegangen. Während der „Plastikbereich“ des Bausatzes ohne Einschränkungen allen Flugzeugfans empfohlen werden kann, ist Boeings aufwendige Werkslackierung der ZA001, die Zvesda als einzige Anstrichvariante mitliefert, für Anfänger etwas schwierig umzusetzen.

Revells Kit kombiniert Zvesdas Plastik mit einem Super-Decal, das die einfachere Lackierungsvariante der späteren Prototypen wiedergibt.

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Geschichte

Die Boeing 787 ist das erste erfolgreiche Verkehrsflugzeugprojekt von Boeing seit der 777. Weder ein größerer Nachfolger für die 747, wobei es auch zu einer kurzfristigen Zusammenarbeit mit Airbus kam, noch der Sonic Cruiser, der mit Mach 1,02 die Reisezeiten verkürzen sollte, fanden genügend Interesse bei den Airlines.

Mit dem Dreamliner sollte ein super sparsames Allround-Flugzeug geschaffen werden, mit dem sich neue Punkt-zu -Punkt Langstrecken-Verbindungen  statt Flüge nur von Megahubs lohnen sollen. Das Konzept von Boeing fand große Zustimmung bei den Fluggesellschaften: Bis Ende 2009 waren trotz der Stornierungen wegen der Terminüberschreitung immer noch 840 Dreamliner von 56 Kunden fest bestellt, ohne daß das Flugzeug geflogen war (Stand aktuell 03.2012: 855 Festbestellungen). Airbus war gezwungen mit der A350 ein Konkurrenzmuster anzubieten, (nachdem man zunächst glaubte, mit modifizierten A 330 konkurrenzfähig zu sein) lag aber im Zeitplan und bei den Bestellungen weit zurück. Durch die vielen Bestellungen ist Boeing aber auch so weit ausgebucht, daß Neukunden inzwischen die 787 auch nicht früher als die A350 erhalten werden.

Erstmals bei Boeing sollten große Teile des Flugzeugs aus Kunststoff  hergestellt werden, die Fertigung der Einzelteile  weltweit erfolgen.  Für den Transport wurden 747 zu „Dreamliftern“ umgebaut. Der von 2 sparsamen Rolls Royce Trent 1000 oder General Electric GEnx angetriebene Dreamliner wird in mehreren Versionen angeboten: 787-3, 57m lang für 290 bis 330 Passagiere,-  Nachdem die wichtigsten Kunden ihre Bestellungen in 787-800 umgewandelt haben, wurde diese Version gestoppt- , 787-8 56,72m lang für 210 bis 250 Passagiere und 787-9, 63m lang für 250 bis 290 Passagiere. Über eine Produktion von weiteren Versionen  (Serie 10) wurde noch nicht entschieden.

Als das Flugzeug mit leichter Verspätung am 8.7.2007 sein Roll Out hatte, wussten die Wenigsten, daß es sich hierbei um eine provisorisch zusammen genietete, flugunfähige Hülle handelte. Ab dann wurde der Erstflugtermin immer wieder verschoben: Der Dreamliner wurde zum Albtraum. Mal waren die Nieten verkehrt, oder die von den Sublieferanten gelieferten Teile paßten nicht zusammen. Teile wurden unfertig angeliefert und mußten bei Boeing aufwendig nachgearbeitet werden. Dazu kamen dann auch noch Festigkeitsmängel.

Am 15.12. 2009 konnte die 787-800 endlich in Seattle zum Erstflug starten. Statt der zunächst  geplanten 7 Monate dauerte es noch fast zwei Jahre bis am 25.9.2011 die erste 787 an die japanische ANA ausgeliefert werden konnte. Seit Januar fliegt die Star Alliance Partnergesellschaft auch Frankfurt mit dem Dreamliner an. Als Zweitkunde erhielt Japan Airlines am 23.03.2012 ihre ersten 787.

Weitere Infos:http://www.boeing.com/commercial/787family/index.html

 Bausatz

Fast gleichzeitig mit dem Erstflug des großen Vorbildes brachte Zvesda seinen Kit zum Jahresende 2009 auf den Markt und hat damit Revell überholt. Für 2009 angekündigt, tauchte die  Boeing 787 im 2010er Revell Katalog nicht mehr auf. 2011 brachte Revell dann doch einen Dreamliner heraus.  Dabei handelt es sich um den Zvesda Kit mit einem super Daco-Decal.

Zvesda hat sich der bis jetzt meist verkauften Version 800 (671 der 855 bestellten 787) angenommen. Leider hat Boeing bei den anderen Serien (bis jetzt konnte ja nur noch die Version 9 verkauft werden) auch die Spannweite verändert, so daß die Kürzung oder Verlängerung des Rumpfes bei der 787 nicht für einen Umbau in eine andere Version reicht.

Der traditionelle Karton mit Deckel, in den man die angefangenen Baugruppen gut wieder verstauen kann, enthält 64 graue und 9 Klarsicht-Teile. Außerdem legt Zvesda noch einen bei anderen Herstellern inzwischen (leider) etwas aus der Mode gekommenen Ständer bei, auf dem der Dreamliner in Flugkonfiguration präsentiert werden kann. Der Zusammenbau wird in der übersichtlichen Bauanleitung in 6 Schritten  dargestellt. Alle Teile sind fein graviert. Die Kabinenfenster sind verglast. Wer die alten Airfix Sky King Airlinermodelle aus den sechziger Jahren kennt, der wird hier vielleicht die Nase rümpfen, denn überzeugen konnten die Airfix „Fenster“ nicht und trugen auch mit dazu bei, daß Fenster Decals so hoch im Kurs stehen. Aber Zvesdas Fensterteile sind eine ganz andere Kategorie: schlierenfrei gespritzt passen sie sich hervorragend dem Rumpf an. Trotzdem, wer Decals benutzen möchte, der muß sie halt überlackieren. Nach der Montage der Fenster fehlt noch der Bugfahrwerkschacht, in den die Fahrwerkstrebe C7 vorher eingebaut werden soll. Das große Fahrwerkbein kann zum Glück erst später eingebaut werden, was die Bruchgefahr beim Fortgang der Montage reduziert. Zvesda erwähnt es zwar nicht, aber etwas Gewicht im Bug kann dem sicheren Stand auf dem Bugfahrwerk nicht schaden. Ich habe noch ein Cockpit scratch eingebaut, vor allem, weil ich nicht wollte, daß man von der Windschutzscheibe bis zum APU durch die ganze Rumpfröhre sehen kann. Allerdings hätte ich noch die Sitze mit den typischen ovalen Kopfstützen ausstatten können. Leider kümmern sich die meisten Hersteller von Airliner- Modellen wenig um die Innenausstattung von Cockpit und Kabine.  Am Heck habe ich noch ein Röhrchen als APU eingesetzt und den Rumpf innen schwarz gestrichen. Bei verglasten Fenstern sieht das realistischer aus. Damit ist der Rumpf komplett.

Die Tragflächen sind dreiteilig: Das durchgehende Unterteil fixiert die V-Form. Die beiden Oberseiten geben die „raked wingtips“ gut wieder. Die Landeklappenschienen sind am Unterflügel angespritzt. In diesen Schienen hatte mein Modell kleine Sinklöcher, die sich aber leicht beseitigen ließen. Die Hauptfahrwerkschächte sind nach den Seiten verkleidet. Die großen Klappen, die nur während der Start- und Landephase zur Aufnahme der Räder oder zur Wartung offen sind, hat Zvesda nur graviert, dies entspricht auch dem Zustand in der Parkposition. Wer das Modell in Flugposition auf dem Ständer montieren will, muß jetzt den entsprechenden Schlitz im Mittelteil aufschneiden. Fast überflüssig zu sagen, daß die Flächen gut in den Ausschnitt im Rumpf passen. In diesem Stadium können bereits die großen Lüfter (C13 und 14) an den Rumpf angebaut werden.

Bei den Höhenleitwerken sollte man aufpassen, daß man die Befestigungsstifte an den Teilen C1 und C2 nicht aus Versehen  mit abschneidet, wenn man sie vom Gußast trennt. Auch diese Leitwerke passen gut an den Rumpf.

Als Triebwerke liegen nur die Rolls Royce Trent bei, die auch zum Decal passen. Auch die 787 der ANA werden von Trent angetrieben, die 787 des Zweitkunden JAL haben GeNX Motoren. Dabei unterscheiden sich Trent und GenX äußerlich kaum und haben gleiche Abmessungen (einige Panels müßten umgraviert werden). Allerdings hat der Fan bei den Trent 20, bei den GeNX 18 Blätter, die sich in der Form unterscheiden. Auch der Spinner im Zentrum des Fans ist unterschiedlich. Bei den Modell-Triebwerken beschreitet Zvesda neue Wege: statt eines Reliefs für die Stirnseite des Fans liegen die Fans  als einzelne durchbrochene Teile bei, die von Vorne eine realistische Durch-/Ansicht bieten. Bei anderen Modellen versuchen Hardcore-Modellbauer dies durch aufwendig  zurechtgebogene Fotoätz-Teile zu erreichen. Auch die Innenwände der Rolls Royce Trent sind gut dargestellt (vor allem bei älteren Airliner-Modellen immer wieder eine ärgerliche Schwachstelle). Der vordere Bereich des Fangehäuses ist in einem Stück gespritzt. Lästiges Verschleifen oder daß die Hälften durch zu festes Fixieren nach dem Zusammenkleben oval werden entfällt, somit. Dabei sollte man aufpassen, daß man rechtes und linkes Triebwerk nach Bauanleitung zusammenklebt: Die Pylone mit dem Fangehäuse und Frontteile sind nicht identisch. Auch die innovativ-gezackten Enden des Fangehäuses sind durch extra Teile (2x C23) gut dargestellt. Leider ist die Bauanleitung in diesem Bereich mit Farbangaben etwas sparsam. Die Triebwerkspylone werden in große Schlitze an den Tragflächen eingeklebt.

Vor dem Einbau des Fahrwerkes sollte das Modell lackiert werden.

Das Fahrwerk selbst ist gut gelungen. Am Bugfahrwerk fehlen nicht einmal Klarsicht-Landescheinwerfer. Die Fahrwerksklappen sind schon in der Parkposition dargestellt und müssen nicht erst noch mühsam zerschnitten werden.

Antennen fehlen leider und sollten in Eigeninitiative hergestellt werden. Auf Fotos kann man eine VHF Antenne in Höhe der vorderen und eine zweite etwas vor den hinteren Türen auf dem Rumpfrücken erkennen. Das kann und wird aber sicher von Airline zu Airline variieren. Außerdem fehlen die Leitbleche auf den Triebwerken.

 

Revells Version kommt in dem typischen, unpraktischen  Rundum-Karton mit attraktivem Deckelbild. Während die Teile für das Flugzeugmodell identisch, allerdings in weißem Plastik gespritzt sind, fehlt der Ständer. Leider waren die Tragflächen bei meinem Modell etwas verzogen. Die Bauanleitung ist mit 25 Schritten natürlich viel ausführlicher als bei Zvesda.

 

Bei Decals und Bemalungsanleitung fällt der ansonsten Top-Baukasten von Zvesda leider etwas ab. Während der Zusammenbau fast ein Kinderspiel ist, wird der Modellbauer jetzt gefordert: Nur eine Version ist möglich: Nur der Prototyp ZA001 mit der Kennung N7878A kann in Boeing Werkslackierung dargestellt werden. Hierzu müssen auf das weiße Flugzeug am Rumpf zwei unterschiedliche Blautöne, eben Boeings Hausfarben, auflackiert werden. Über beide Farben verläuft eine geschwungene weiße Linie, die auch als Decal vorhanden ist. Selbst maskieren muß man die schmalen dunkelblauen Streifen, die sich im hellblauen Rumpfbereich befinden. Erschwerend kommt hinzu, daß die Bemalungsanleitung relativ klein gehalten ist. Die Farbtöne werden mit Zvesda und Model Master Farbnummern angegeben.  Beschriftungen, Kennungen, Türmarkierungen und die Rolls Royce Triebwerksmarkierungen sind in dem kleinen Decal enthalten.

Revells Ausgabe kann hier punkten: Nicht nur daß das Modell bereits in der Grundfarbe Weiß des Vorbilds geliefert wird, als Decal liegt die einfachere Variante der späteren 4 Erprobungsmaschinen ZA003 bis ZA006 bei. Da 2 dieser Flugzeuge von GeNX Turbinen angetrieben werden, liegen neben Rolls Royce auch General Electric Sticker bei.

Daco hat für die Bemalung des ersten Prototypen  ein umfangreiches Decal herausgebracht, das noch eine Ätzplatine als Beigabe enthält. Hier bekommt der Modellbauer die im Kit fehlenden Antennen, Leitbleche und andere Kleinteile geliefert sowie eine Anleitung, wo diese am Modell anzubauen sind.

Der Anstrich der ZA002, die seit dem 22.12.2009 fliegt und bereits die Kundenfarben des Lufthansa Partners All Nippon Airways  (ANA ) trägt, ist sicher einfacher zu bewältigen als der des ersten Prototyps. Hierzu gibt es bereits ein Decal bei Two Six.  Allerdings tragen die ab Herbst 2011 an ANA ausgelieferten Dreamliner einen etwas anderen Anstrich: Während der erste ausgelieferte Dreamliner einen Sonderanstrich erhielt, sind die weiteren Flugzeuge im ANA Standardanstrich (wie das Two Six Decal) lackiert. Im vorderen Rumpfbereich wurde noch eine große „787“ in den blauen ANA Farben angebracht (siehe Originalfoto), die beim Decal natürlich fehlt. Auch das erste Flugzeug der JAL, das noch einmal den roten Kranich am Leitwerk trägt, gibt es bei Two Six. Weitere Varianten werden sicher folgen. F-Decal hat ebenfalls bereits sehr viele Anstrichvarianten für die 787 im Programm.

Bei jetzt schon über 800 Bestellungen für das Original ist Zvesdas 787 eine gute Investition in die Zukunft.

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Fazit

Die Boeing 787 ist ein Airliner, an dem kein Modellbauer, der sich für Verkehrsluftfahrt interessiert, vorbeikommen wird. Mit dem Zvesda- Bausatz steht ein gut detaillierter, paßgenauer und leicht zu bauender Kit zur Verfügung. Mit unter 20 € ist das Preis/Leistungsverhältnis absolut in Ordnung. Die mitgelieferte Decalvariante ist allerdings nur etwas für Lackierkünstler. Revell bietet hier bei gleichem Plastik die einfachere Alternative. Für Anfänger ist sicher auch die ausführlichere Bau- und Bemalungsanleitung ein Argument für Revell. Außerdem gibt es Revell Produkte ja in fast jedem Kaufhaus. Ansonsten können beide Bausätze  Anfängern wie Experten empfohlen werden.

 

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